Pressebericht Darmstädter Echo / www.echo-online.de

Reinheim 19.12.2017

Für ein Gedicht gibt’s etwas aus dem Sack

Von Ulrike Bernauer

WEIHNACHSMARKT Mitten in Ueberau organisiert der Kerbvereins Stände mit Hobbykünstlern und Glühweinausschank

UEBERAU – Michael Waldhaus freut sich über die vielen Schausteller aus dem Ort. Bereits zum 15. Mal findet der Weihnachtsmarkt am dritten Advent mitten in Ueberau statt. „Es sind ganz wenig Marktbeschicker, die von weiter weg kommen“, erzählt Waldhaus, der Vorsitzende des Kerbvereins, Organisator des Marktes „und wir wollen das auch weiterhin so halten, dass das ein Weihnachtsmarkt von Ueberauern für Ueberauer ist.“

Für die Kinder ist nicht nur der Weihnachtsmann unterwegs, sondern die Schlosserei Hornung hat auch ihre Eisenbahn in Betrieb genommen. Im Märchenzelt direkt vor der Schule und neben dem Weihnachtsbaum werden Geschichten vorgelesen – allerdings nur für die kleinen Gäste, die Großen passen kaum in das Tipi hinein.

Moritz, sieben Jahre, kommt aus Otzberg und hat dem Weihnachtsmann ein Wichtelgedicht aufgesagt. Für die Zeilen „Winterwichtel freuen sich über helles Kinderlachen, über wahrgewordene Weihnachtsträume, die alle glücklich machen“, holt der Weihnachtsmann einige Süßigkeiten aus seinem großen Sack.

Manches Kind will auch gerne eine Süßigkeit haben, ist aber zu schüchtern, um dem Mann im roten Mantel und mit dem weißen Rauschebart ein Gedicht vorzutragen oder ein Lied zu singen. „Ich gebe auch den Kindern, wo das nicht so klappt, etwas Süßes“, sagt der Weihnachtsmann gütig. „Ich bin da nicht so streng.“

Finanziert werden die Gaben aus dem Sack durch den Veranstalter, den Kerbverein und einige Sponsoren. „Durch die finanzielle Unterstützung der acht Sponsoren ist der Weihnachtsmarkt überhaupt erst möglich“, erklärt Waldhaus. Auch die Hütte des Kerbvereins, in der es warme Getränke gibt, wird nur betrieben, um den Markt zu finanzieren. Gibt es einen Überschuss, was durchaus üblich ist, dann fließt das Geld in die Kinder- und Jugendarbeit im Ort.

Das Angebot ist hauptsächlich kulinarischer Art, der Glühwein und warme Speisen wärmen von innen. Aber das eine oder andere fällt doch aus dem Rahmen. Schreiner Felix Hillerich und Lisa Friedrich haben einen Gemeinschaftsstand. Friedrich hat für die Pralinen und Plätzchen im Angebot gesorgt und Hillerich hat Holzobjekte wie Designerflaschenständer oder Teelichter und Eierbecher gefertigt. Der junge Schreiner hat den Hobel und die Säge aber weitgehend an den Nagel gehängt und hilft nun Freundin Lisa in der Bäckerei Friedrich in Brensbach beim Backen. Claudia Pototzki kommt aus Nieder-Kainsbach und hat Selbstgenähtes anzubieten. „Ich bin Schneiderin und nähe nur noch schöne Sachen. Der Renner sind Einhörner“, sagt Potozki, die die Kuscheltiere in diesem Jahr kreiert hat.

Karin Hornung macht Kinderherzen glücklich, sie lässt die Kinder auf einer Miniatureisenbahn fahren. „Die Schienen hat mein Mann selber gefertigt, die Eisenbahn haben wir für unseren Enkel gekauft. Jetzt ist er rausgewachsen und fährt nur noch am Weihnachtsmarkt.“ Die Schlange der Kinder, die einmal fahren wollen ist lang.

Volker und Malise Kutschera wohnen seit 43 Jahren in Ueberau. Für das Paar ist es eine erfreuliche Pflicht auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. „Wir finden das sehr gut, wie die jungen Leute das hier organisieren und gestalten“, sagt Volker Kutschera. „Wir haben ganz jung angefangen“, sagt Thomas Kutschera, er ist nicht nur der Sohn des Paares, sondern auch Gründungsmitglied des Kerbvereins. „Als das mit dem Weihnachtsmarkt angefangen hat, war ich aber auch aus dem Vorstand schon wieder raus“, sagt der Sohn. „Wunderbar hier ist die Dorfgemeinschaft, dass wir uns alle treffen, miteinander schwätzen und was trinken. Dann gehen wir wieder nach Hause und freuen uns“, fasst Vater Volker den Besuch des Marktes zusammen.